„Verstehen heißt Mitentscheiden“ – Dr. Twesten im Interview

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Informiert entscheiden mit DoXplain

Redaktion: Dr. Twesten, Sie haben mit DoXplain eine Plattform gegründet, die Arztbriefe in einfache Sprache übersetzt. Wie kam es zu dieser Idee?

Dr. Twesten: Ganz einfach: Ich bin Arzt – und in meiner Familie war ich immer der „Übersetzer“. Wenn jemand aus dem Krankenhaus kam oder eine neue Diagnose bekam, landete der Arztbrief früher oder später bei mir mit der Frage: „Was steht da eigentlich?“ Ich habe dann Fachbegriffe erklärt, Abkürzungen aufgelöst und vor allem die Essenz des Briefs in eine verständliche Sprache gebracht. Irgendwann fragte ich mich: Was machen eigentlich Menschen, die keine Ärztin oder Arzt in der Familie haben? Und so war die Idee für DoXplain geboren.

Redaktion: Warum sind Arztbriefe so schwer verständlich?

Dr. Twesten: Ärztinnen und Ärzte schreiben nicht absichtlich kompliziert – das Problem ist eher, dass Arztbriefe traditionell als Kommunikation zwischen Fachleuten gedacht sind. Da stehen lateinische Begriffe, Abkürzungen und komplizierte Sätze, die für Patientinnen und Patienten wie eine Geheimsprache wirken. Ein klassischer Satz könnte zum Beispiel sein: „Der Patient wurde bei stabiler Kreislaufsituation in gutem AZ entlassen.“ Das bedeutet einfach: „Der Patient wurde in einem guten Allgemeinzustand entlassen.“
Das klingt banal, aber genau solche Formulierungen summieren sich, bis man als Patient irgendwann gar nicht mehr durchblickt.

Redaktion: Und genau hier setzt DoXplain an?

Dr. Twesten: Genau! Bei DoXplain kann man seinen Arztbrief einfach hochladen und bekommt ihn in leicht verständlicher Sprache zurück – medizinisch geprüft. Und weil Datenschutz wichtig ist, können alle persönlichen Daten vorher aus dem Brief gelöscht werden – wir brauchen sie für die Übersetzung nicht. So bleibt alles sicher und anonym.

Redaktion: Warum ist es überhaupt so wichtig, seinen Arztbrief zu verstehen?

Dr. Twesten: Weil Wissen über die eigene Gesundheit das Wichtigste ist! Viele Menschen haben Schwierigkeiten, Gesundheitsinformationen zu verstehen und anzuwenden. Das hat Konsequenzen: Wer seine Diagnosen nicht richtig versteht, kann nicht mitentscheiden. Wer seinen Medikamentenplan nicht richtig erklärt bekommt, riskiert Fehler bei der Einnahme, unerwünschte Nebenwirkungen oder unwirksame Therapien. Das kann sogar dazu führen, dass man häufiger ins Krankenhaus muss! Ein verständlicher Arztbrief gibt Patientinnen und Patienten die Kontrolle zurück – und genau das wollen wir mit DoXplain erreichen.

Redaktion: Apropos Kontrolle: Ihr Stichwort ist „Patient Empowerment“. Was bedeutet das genau?

Dr. Twesten: Es bedeutet, dass Patientinnen und Patienten nicht mehr nur „Empfänger“ von Informationen sind, sondern aktive Mitentscheider:innen. Wenn man versteht, was im eigenen Körper passiert, kann man bessere Entscheidungen treffen, gezielt Fragen stellen und sich sicher fühlen.
Ein Beispiel: Untersuchungen zeigen, dass verständliche Arztbriefe Ängste reduzieren und Patientinnen und Patienten sicherer im Umgang mit ihrer Behandlung machen. Das zeigt, wie viel ein bisschen Klarheit bewirken kann und die Lebensqualität steigert.

Redaktion: Gibt es denn nicht schon Erklärungen durch die Ärztinnen und Ärzte?

Dr. Twesten: Natürlich, im Idealfall schon. Viele Kolleginnen und Kollegen leisten da hervorragende Arbeit. Aber ich kenne das selbst aus der Praxis: Arztgespräche sind oft kurz, viele Informationen prasseln auf die Patientinnen und Patienten ein – und sobald sie aus der Praxis gegangen sind, fallen noch tausend Fragen ein. Der Arztbrief könnte dann eine wertvolle Gedächtnisstütze sein – wenn er verständlich ist.

Redaktion: Und wenn ein Arztbrief unverständlich bleibt?

Dr. Twesten: Dann entstehen Unsicherheiten. Viele Menschen wissen nicht genau, wie sie ihre Medikamente einnehmen sollen und können auch im nächsten Gespräch nicht richtig mitreden, weil das Wissen fehlt – mit verständlichen Erklärungen wird dieses Problem deutlich verringert.
Es geht also nicht nur um Bequemlichkeit, sondern auch um die richtige Therapie und letztlich um Gesundheit und Sicherheit.

Redaktion: Datenschutz ist bei Gesundheitsdaten ein großes Thema. Wie stellt DoXplain sicher, dass die Daten geschützt bleiben?

Dr. Twesten: Datenschutz hat bei uns oberste Priorität! Ich habe mich auch in meiner beruflichen Laufbahn intensiv mit Datensicherheit beschäftigt, unter anderem durch meine Arbeit mit Medizinprodukten und Zertifizierungen.
Deshalb haben wir DoXplain so gebaut, dass keine persönlichen Daten im Arztbrief nötig sind. Patientinnen und Patienten können alle Namen, Geburtsdaten und andere sensible Angaben vor dem Hochladen entfernen. Wir brauchen nur den medizinischen Inhalt des Arztbriefs, um ihn zu übersetzen – ohne persönliche Identifikationsmerkmale. Nur für die Übermittlung des übersetzten Briefes und die Bestellung an sich brauchen wir ein Minimum an Informationen.

Redaktion: Wie sehen Sie die Zukunft der Patientenkommunikation?

Dr. Twesten: Ich hoffe, dass verständliche Arztbriefe bald der Standard sind. Bis dahin wollen wir mit DoXplain so vielen Menschen wie möglich helfen, ihre Gesundheitsinformationen zu verstehen. Und wer weiß – vielleicht führen Plattformen wie unsere dazu, dass sich die Sprache in der Medizin langfristig verändert.

Redaktion: Letzte Frage: Gibt es eine typische Reaktion von Menschen, die ihren ersten verständlichen Arztbrief von DoXplain erhalten?

Dr. Twesten: Ja! Meistens ist es ein „Ach sooo!“. Das zeigt mir jedes Mal, dass wir mit DoXplain genau das Richtige tun.

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